FATHER MOTHER SISTER BROTHER von Jim Jarmusch

Lilith (Vicky Krieps), Timothea (Cate Blanchett) und ihre Mutter (Charlotte Rampling) © filmcoopi

Geschwister und Eltern. Zum Jahresende hin waren die meisten von uns wieder einmal mit diesen Konstellationen konfrontiert, meist nicht abschliessend. Aber da hängt was in der Seele; es hat seinen Platz, selbst dann, wenn wir die Zeit dafür kaum je wirklich finden: Vater, Mutter, Schwester, Bruder… sie sind ein Stück von uns.

Jim Jarmusch wird am 22. Januar 2026 73 Jahre alt. Vielleicht auch darum hat er sich die Zeit genommen, dem nachzuspüren, was da in der Seele hängt, oder auch bloss kitzelt. Sein jüngster Film ist eine Art Installation. Eine Familienaufstellung als Versuchsanlage, ein Triptychon, und damit tatsächlich schon fast eine Altartafel.

In drei vordergründig voneinander unabhängigen filmischen Episoden spielt er mögliche Konstellationen durch, zwischen Wiedererkennen und kompletter Entfremdung. „FATHER MOTHER SISTER BROTHER von Jim Jarmusch“ weiterlesen

SENTIMENTAL VALUE von Joachim Trier

Stellan Skarsgård, Elle Fanning © frenetic

Warum soll es nicht für einmal das Haus sein, das die Geschichte seiner Bewohner erzählt? Zumindest legen Joachim Trier und sein Drehbuch-Koautor Eskil Vogt diese Idee erst einmal ihrer Hauptfigur in die Hände. Das Mädchen Nora schreibt einen Aufsatz aus der Perspektive des Familienhauses. Wie es sich allenfalls freut über den Lärm seiner Bewohnerinnen, die Stille hasst, wenn niemand da ist. Und wie es die Schwestern Nora und Agnes aus dem Blick verliert, wenn die beiden zuerst durch die Keller- und dann durch die Gartentür zur Schule rennen.

Das Haus, das seit Generationen der Familie gehört, hat im Fundament einen Riss, der gleich nach der Erbauung schon durch eine Bodenabsenkung entstand. Der Riss zieht sich stabil durch die Wände bis unter das Dach, seit Jahrzehnten, ohne weitere Probleme zu verursachen. „SENTIMENTAL VALUE von Joachim Trier“ weiterlesen

SEPTEMBER & JULY (September says) von Ariane Labed

Pascale Kann (September), Mia Tharia (July), Rakhee Thakrar (Sheela) © cineworx

Eines der vielen seltsamen Spiele der Schwestern September und July geht besteht darin, dass die Forschere der beiden die andere zu einer mehr oder weniger absurden Handlung auffordert: «September says: we don’t eat anymore red food», worauf July den Befehl ohne zu zögern befolgt. Im Gegenzug hilft September ihrer Schwester immer wieder aus der Patsche, wenn diese sich mit ihrer vertrauensseligen Art irgendwo in die Klemme manövriert hat: «Silly July!»

In der Schule werden die beiden als Freaks gehänselt. Auf Übergriffe an July reagiert September zunehmend aggressiv. So schneidet sie etwa einer Mitschülerin zur Strafe während des Unterrichts von hinten mit einer Schere den Rossschwanz ab.

Wenn Ariane Labed mit ihrem Regiedebut von zwei eigenwilligen jungen Frauen erzählt, tauchen Erinnerungen auf an den Film, mit dem sie als Schauspielerin bekannt wurde: Athina Rachel Tsangaris Attenberg von 2010. Und der wiederum erinnerte nicht von ungefähr an Vera Chytilovás weiblich-anarchische «Max & Moritz»-Variante Tausendschönchen (Sedmikrásky) von 1966. „SEPTEMBER & JULY (September says) von Ariane Labed“ weiterlesen