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    Locarno 15: JAMES WHITE von Josh Moon (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 6. August 2015 - 14:00

    Christopher Abbott und Cynthia Nixon

    Christopher Abbott und Cynthia Nixon

    Die längste Zeit bleibt die Kamera auf dem Gesicht eines bärtigen jungen Mannes in einem Club. Er dröhnt sich mit Musik zu, überlagernd, hin und wieder geschnitten, im Bild, oder, versetzt, im Ton.

    James White hat eben seinen Vater verloren, dabei lebt er schon zwei Monate bei seiner Mutter, pflegt sie durch ihren Krebs und ihre Einsamkeit. Und als er mit seinem alten Freund loszieht ins New Yorker Nachtleben, mag die Mutter ihm den Ausbruch gönnen.

    James ist arbeitslos und aufbrausend. Und als er für ein paar Wochen zu seinem Kumpel in ein Ferienresort nach Mexiko geht, hat er ein schlechtes Gewissen – bis ihn ein verzweifelter Anruf seiner Mutter wieder zurück holt.

    Christopher Abbott und Scott Mescudi

    Christopher Abbott und Scott Mescudi

    Der Film von Josh Moon erinnert mit seiner meist auf James fixierten beweglichen Kamera an den pseudodokumentarischen Stil der Dardenne-Brüder. Zugleich ist das amerikanisches Indie-Kino mit Mut zur Tristesse, zum Schmerz und der Wut. Ein wenig Cinéma directe, ein bisschen Nouvelle vague, aber unbestreitbar lebendig.

    Produziert wurde James White vom New Yorker Trio «Borderline Films», das neben Mond aus Antonio Campos und Sean Durkin (Martha Marcy May Marlene) besteht. Wie viele US-Indie-Filme zeichnet sich auch dieser nicht zuletzt dadurch aus, dass er etliches bewusst anders macht als der Mainstream – manchmal mit einer gewissen Penetranz.

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    Am auffälligsten ist vor allem die klaustrophobische Kameraführung. Oft Handkamera, meist auf dem Gesicht von James, eine etwas aufdringliche Art zu zeigen, wie eingeengt seine Welt und sein Ausblick geworden ist in der Symbiose mit der stebenden Mutter.

    Christopher Abbott und Mackenzie Leigh

    Christopher Abbott und Mackenzie Leigh

    Bezeichnenderweise zieht sich die Kamera dann häufiger in die Totale zurück, als James in Mexiko auszuspannen versucht und dabei auf die wahrscheinlich erst siebzehnjährige Jayne (Mackenzie Leigh) aus New York trifft, die sehr schnell zu seiner Freundin wird. Abgesehen davon, dass diese Beziehung und der erste schnelle Sex unter der Dusche eher behauptet als überzeugend wirkt, bleibt auch der Ausflug nach Mexiko eine Art programmatisches Zwischenspiel vor dem endgültigen Zerfall der Mutter.

    Christopher Abbott und Cynthia Nixon

    Christopher Abbott und Cynthia Nixon

    Das stärkste Element des Films ist im übrigen ganz klar Cynthia Nixon (Sex and the City) als krebskranke Gail. Ihr gelingt eine grosse Bandbreite zwischen liebevoll, verzweifelt, aggressiv und verlöschend und sie ist nicht nur der emotionale Haltepunkt für James, sondern auch für den Film. Vor allem dann, wenn James die Loyalität des Publikums zu verlieren droht, bis zu dem Punkt, wo man sich fragt, warum sein Freund Nick (Scott Mescudi) und vor allem die (konturlose) Jayne noch zu ihm halten.

    Regisseur Josh Mond

    Regisseur Josh Mond

    Topics: Autor / Drehbuchautorin, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Locarno 15: JAMES WHITE von Josh Moon (Wettbewerb)

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