Home Sennhausers Filmblog Home Sennhausers Filmblog
  • RSS abonnieren


  • Newsletter Radiomailing:

    Wenn Kontext auf SRF 2 Kultur ein Filmthema behandelt, erhalten Sie am Vorabend eine Email (max. 4 pro Monat):

  • Mailformular (mit Upload)

  • Schlagwörter

  • « | Home | »

    Locarno 15: BRAT DEJAN von Bakur Bakuradze (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 6. August 2015 - 18:00

    Das Ende des Weges für Dejan

    Das Ende des Weges für Dejan

    Seit mehr als zehn Jahren lebt Dejan Stanić im Versteckten. Der einstige General in den Balkan-Kriegen wird vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag gesucht und darum auch zumindest von einem Teil der neuen serbischen Machthaber.

    Aber davon wissen wir zu Beginn des Films nichts. Wir sehen erst Mal einen deutlich jüngeren Mann in einem Kamerasucher eine Pistole mit einer Notiz umwickeln und dann wie vom Herzversagen getroffen auf den Boden fallen. Die Szene wird sich gegen Ende des Films mit dem alten Dejan wiederholen.

    Marko Nikolic als Dejan

    Marko Nikolic als Dejan

    Aber jetzt wissen wir, mit wem wir es zu tun haben, wie er lebt – oder eben nicht. Der Film ist ein Protokoll der Einsamkeit, des Misstrauens. Und er stellt zwei Fragen in den Raum, die immer lauter dröhnen, ohne je ausgesprochen zu werden: Was genau hat der Mann verbrochen? Und ist sein einsames Versteckspiel nicht schlimmer als jede Gefängnisstrafe?

    Die Antwort auf die erste Frage bekommen wir nicht, und das ist stark, denn es beflügelt die Fantasie. Und jene auf die zweite, die muss sich am Ende jeder selber geben.

    Bakur Bakuradze hat einen Film geschafft, der die Problematik der Langzeitauswirkungen von Kriegsverbrechen und ihrer Aufarbeitung unter diversen Blickwinkeln erfasst, ohne eindeutig Stellung zu beziehen.

    Brat Dejan zeigt die politischen Aspekte der Verschleierung, der Interessenslagen, und die menschliche. Wenn auch konsequent nur aus der Sicht des möglichen Täters. Aber gerade dies beschwört ja auch all die Gedanken an das was er sich möglicherweise hat zu Schulden kommen lassen.

    Marko Nikolic und Misa Tirinda

    Marko Nikolic und Misa Tirinda

    Formal ist das ein sehr strenger Film. Er arbeitet mit pseudodokumentarischem Material wie den schon beschriebenen Viewfinder-Einstellungen. Aber auch mit künstlichem oder echtem Filmmaterial aus früheren Tagen, mit ein paar TV-Einstellungen, und schliesslich mit streng komponierten Tableaus, welche den Mann meist in eine Landschaft stellen, sei dies nun Natur, urbane Umgebung oder die Architektur irgendwelcher Räume.

    Musik gibt es erst gegen das Ende hin, sogar eine Szene, in der Dejan und sein brüderlicher Betreuer offensichtlich betrunken tanzen, ist nur mit dem Stampfen ihrer Füsse unterlegt.

    Brat Dejan wirkt nach, seine eigenwillige Perspektive umgeht unsere üblichen Abwehrreflexe und löst dabei eine ganze Kette zwingender Gedanken aus. Durchaus faszinierend – nicht unbedingt angenehm.

    Regisseur Bakur Bakuradze

    Regisseur Bakur Bakuradze

    Topics: Autor / Drehbuchautorin, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | 3 Kommentare »

    3 Comments

    1. Danke. JA das sehe ich auch so. Habe gestern den Wertvollen Film gesehen. Im Forum stellte sich Bakur sowie Marko Nicolic den Fragen. Dies war für beide schwierig. Bakur gab zu keine Antworten sondern Fragen zu stellen. Kenne Balkan seit 1976. Finde diesen Film sehr Wertvoll, weil Marko trotz der Vergangenheit versucht die anders tickende Art der Vielvölker im Balkan darzustellen. Diskussionen werden folgen und uns helfen, in Zukunft unsere Balkan Einwohnen etwas besser zu verstehen. Danke und liaba Gruass aus 50 Grad gefühltem Locarno.

      Kommentar by Meng Ernesto — 7. August 2015 @ 09:44

    2. Danke

      Kommentar by Meng Ernesto — 7. August 2015 @ 09:45

    3. grazia fich

      Kommentar by Meng Ernesto — 9. August 2015 @ 09:55

    RSS feed for comments on this post.

    Sorry, the comment form is closed at this time.

    Simple Share Buttons