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    HEART OF A DOG von Laurie Anderson

    Von Michael Sennhauser | 22. Juni 2016 - 16:13

    'Heart of a Dog' von Laurie Anderson © filmcoopi

    ‚Heart of a Dog‘ von Laurie Anderson © filmcoopi

    Dreissig Jahre nach ihrem bahnbrechenden Musik-Kunst-Dokumentarfilm Home of the Brave hat die New Yorker Musikperfomerin Laurie Anderson wieder einen Film gemacht. Heart of a Dog heisst er, und vordergründig geht es um die Erinnerung an Laurie Andersons verstorbenen Hund. Gewidmet ist er aber ihrem 2013 verstorbenen Ehemann Lou Reed.

    © filmcoopi

    © filmcoopi

    Der Film beginnt mit einem animierten gezeichneten Selbstporträt von Laurie Anderson … und mit ihrer unverkennbaren Stimme: «Das ist mein Traumkörper, derjenige, mit dem ich im Traum umhergehe…»

    In diesem Traum liegt sie in einem Spitalbett, es sei wie eine Filmszene, an die man sich erinnere. Der Arzt beugt sich über sie, drückt ihr ein Bündel in den Arm, das Wesen, das sie eben zur Welt gebracht hat: «It’s a girl!»

    «And I see the face of my dog, Lolabelle…»

    © filmcoopi

    © filmcoopi

    Lolabelle ist, bzw. war, Laurie Andersons Hund, ein kleiner Ratten-Terrier. Und nun schildert sie, mit ihrer singenden Sprechstimme, wie sich niemand darüber wundert, dass sie eben einen Hund zur Welt gebracht hat.

    Nur bei ihr selber mischen sich Schuldgefühle unter die Freude. Denn sie hat das alles arrangiert, sie hat den Hund vom Arzt in ihren Bauch einnähen lassen, damit sie ihn zur Welt bringen konnte.

    Es ist ein ebenso bizarres wie liebevolles Traumbild, welches Laurie Anderson zu Beginn ihres Films zeichnet. Um Lolabelle, den kleinen Terrier, dreht sich der Film, um the «Heart of a Dog», um Träume und Erinnerungen, Familienbilder und Lebensmomente. Denn der Tod des geliebten Hundes ist der äussere Anlass für den Film.

    © Filmcoopi

    © Filmcoopi

    Aber eigentlich geht es auch um alle anderen geliebten Toten in Laurie Andersons Leben. Denn da beschreibt sie auch jenen Traum, in dem sie von ihrer Mutter Abschied nimmt, in jenem Raum, in dem diese starb und dabei in einer hohen, unbekannten Stimme zu all den Tieren sprach, die sie an der Decke sah.

    Laurie Andersons «Heart of a Dog» ist ein verspielter, persönlicher, musikalischer Film. Sie mischt Animation und mit einer GoPro auf Müllsackhöhe in New York gefilmte Hundeperspektive, alte Super 8 Familienfilme und Zeichnungen und nachgestellte Szenen, alles unterlegt mit ihrer eigenen Musik und ihrer nach wie vor hypnotisch wirksamen Stimme.

    © Filmcoopi

    © Filmcoopi

    Das ist zwar formal nicht mehr sehr innovativ, manchmal wirkt die Montage der Filmsequenzen fast gezielt amateurhaft, die Collage-Technik fast nostalgisch. Aber gleichzeitig entfaltet «Heart of a Dog» eine nicht mehr abzuschüttende Wirkung. Blättern in alten Fotos, das Hören alter Platten, der Geruch glücklicher und trauriger Tage: Das alles klingt an.

    Und am Ende taucht dann auch die grosse Leerstelle endlich auf, der grosse Abwesende. Die Widmung des Films erinnert an Lauries Andersons Ehemann Lou Reed. Und sein Song mit der tröstlichen Versicherung, dass es die Liebe sei, welche die Zeit umkehren könne, lässt den Film mit einer Antwort auf die Frage ausklingen, wofür der Tod denn gut sei.

    «Turning time around», das ist es, was die Liebe schafft, die Liebe und die Erinnerung gemeinsam. Und Laurie Andersons Film, voller Wehmut und Abschied, ist darin gleichzeitig eine Liebeserklärung und ein Winken, ein Akzeptieren und ein sich Verweigern.

    Es ist nicht einfach, «Heart of a Dog» als eigenständiges Kunstwerk zu sehen. Dafür lebt der Film viel zu sehr von der künstlerischen Biographie seiner Autorin und den eigenen Erinnerungen der Zuschauer. Aber Laurie Anderson war immer schon eine Performerin, sie wurde eins mit ihrer Musik und ihre Musik brauchte sie und ihre Persönlichkeit und ihre Stimme und ihre Geschichten. Das alles ist wieder da.

    Topics: Dokumentarfilm, Film, Film und Kunst, Filmbesprechung, Filmmusik, Leute, Regisseur/in | Kein Kommentar »

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