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    Locarno 16: MISTER UNIVERSO von Tizza Covi und Rainer Frimmel (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 6. August 2016 - 16:30

    Mister Universo (3)

    Tairo ist knapp zwanzig Jahre alt. Als Raubtierdompteur ist er mit einem kleinen Zirkus unterwegs, im Grossraum Rom. Einer seiner Tiger ist gerade gestorben, der andere zu alt für Auftritte. Der Löwe ist gereizt und mit bloss noch einem Tiger und einer Löwin ist die Nummer nicht mehr so spektakulär. Dann wird ihm auch noch sein Amulett gestohlen. Tairo traut sich kaum mehr in die Arena.

    Pardobalken2016

    Tizza Covi und Rainer Frimmel sind seit vielen Jahren unterwegs mit Zirkus- und Wanderartisten, vornehmlich in Italien. Ihre Dokumentarfilme aus einer verschwindenden Welt haben ihnen zahlreiche Preise eingetragen, ihre unnachahmlichen Dokufiktionen faszinieren jedes Mal. Vor vier Jahren haben sie hier in Locarno mit Der Glanz des Tages gleich drei Preise gewonnen.

    Mister Universo (1)

    Auch an Mister Universo ist wieder so gut wie alles dokumentarisch. Tairo und seine weitverzweigte Familie, verteilt über die ganze Region, alle dem Zirkus und dem Wanderleben verbunden, seine Freundin Wendy, die Schlangenfrau, und wohl auch Arthur Robin, der erste schwarze Mister Universum, der für den damals fünfjährigen Tairo das glücksbringende Stück Eisen gebogen hatte, das ihm nun fehlt.

    Mister Universo (4)

    Der Film folgt Tairo auf der Suche nach Arthur Robin, der nun 87 Jahre alt sein müsste, und die vielen Begegnungen mit Angehörigen öffnen den Blick in eine ganz eigene Welt. Mister Universo ist gespickt mit magischen Einfällen und Momenten.

    Manche, wie das Spiel mit der Bergstrasse, bei der nicht mehr zu definieren ist, ob sie aufwärts oder abwärts verläuft, sind einfach skurril und in ihrer Metaphorik charmant. Andere, wie der Streit über die ausgesteckte Kühltruhe mit dem gefrorenen Fleisch für die Raubtiere so plausibel wie zentral für den einfachen Plot.

    Mister Universo (5)

    Die Menschen in dem Film spielen sich selber, und da sie alle aus der einen oder anderen Schausteller-Tradition kommen, fällt ihnen das offensichtlich leicht.

    Dass wir es mit einer aussterbenden Welt zu tun haben, wird deutlich, ohne dass es explizit angesprochen wird. Ähnlich wie Anka Schmids Dokumentarfilm Wild Women – Gentle Beasts führt Mister Universo in verschiedene Lebenssituationen bei unterschiedlichen Artistenfamilien.

    Mister Universo (2)

    Das Schönste an diesem Film ist allerdings die Selbstverständlichkeit, wie er sich in dieser Welt bewegt. Covi und Frimmel spielen nicht mit der Exotik und dem Fremden, sondern mit der Vertrautheit und dem Alltäglichen. Das Macht Mister Universo zu einem jener Filme, die in jedes Leben passen und jede Zuschauerin direkt zu engagieren vermögen.

    Applaus ist selten in den Pressevorführungen in Locarno, bei diesem Film kam er von Herzen.

    Tizza Covi und Rainer Frimmel

    Tizza Covi und Rainer Frimmel

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kein Kommentar »

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