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    Locarno 16: HERMIA & HELENA von Matías Piñeiro (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 6. August 2016 - 14:00

    Hermia and Helena (3)

    Das Lebensgefühl junger Kulturtäter zwischen Buenos Aires und New York könnte irgendwo in diesem Film stecken. Der Transit-Zustand voller Hoffnung und Pläne ist jedenfalls da.

    Pardobalken2016

    Camila (Piñeiros Stammschauspielerin Agustina Muñoz) hat ein Jahr als Artist in Residence in New York ergattert, ohne es eigentlich zu wollen. So reist sie von Buenos Aires ab, lässt Schwester, Freunde und Freund zurück, um in New York ihre Übersetzung von Shakespeares Sommernachtstraum fertig zu stellen.

    Camila (Agustina Muñoz) und Gregg

    Camila (Agustina Muñoz) und Gregg

    Piñeiro zeigt sie und andere junge Frauen als sehr energische, effiziente und vor allem selbstbewusste Persönlichkeiten. Camila und ihre Freundinnen denken und reden deutlich, schnell und präzise. Mit anderen Worten: Hermia & Helena ist sozusagen ein Gegenentwurf zum amerikanischen Mumblecore des letzten Jahrzehnts.

    Hermia and Helena (4)

    Das verblüffende an diesen Protagonistinnen (Männer kommen auch vor, aber die reichen weder beim Tempo noch bei der Willensbekundung auch nur annähernd an die Frauen heran), ist allerdings die Befindlichkeit, die sich dann doch nicht so sehr von den späten Mumblecore-Heldinnen wie Frances Ha unterscheidet: Sie haben ihren Ort (noch) nicht gefunden, probieren Männer, Wohnungen, Städte und Berufungen aus.

    Hermia and Helena (7)

    Die Erzählstruktur des Film ist allerdings ähnlich sprunghaft. Einblendungen wie «zwei Monate früher» gibt es etliche, aber auch Textauszüge oder Grafiken, die wenig zur Orientierung beitragen. Vielleicht ist das Piñeiros Versuch, sich dem Innenleben seiner Figur auch formal anzunähern. Aber es hilft weder dem Film noch mir als Zuschauer wirklich.

    Hermia and Helena (5)

    Wenn der Film bisweilen trotzdem packt, dann liegt es meist an Szenen mit zwei Protagonistinnen. Am stärksten sind die Momente, in denen die Frauen miteinander reden, ohne Pause, ohne Romantik, mit Witz dafür und mit einer fast gnadenlosen Klarsichtigkeit, gerade wenn sie über Männer reden.

    Und dann gibt es gegen Ende des Films eine Begegnung von Camila mit ihrem Vater, den sie nie getroffen hat, weil sie, so reimt man sich zusammen, seinerzeit von ihm und ihrer Mutter in Melbourne gezeugt worden war, unter ähnlichen Umständen wohl, als Resultat einer temporären emotionalen Versuchsanordnung. Jedenfalls hat Camila eine Liste von Fragen an ihren Vater zusammengestellt, die von Banalitäten wie seinem Alter oder seiner politischen Gesinnung bis zu komplexeren Inhalten wie seinem Verhältnis zu Genetik oder der Art, wie er und ihre Mutter sich getrennt haben reichen.

    Camila und ihr Vater

    Camila und ihr Vater

    Neben dem budgetbewussten Score, der hauptsächlich aus langsamen Ragtime-Piano-Stücken besteht, sind vor allem die Kameraarbeit und der Schnitt deutlich präziser als die Erzählform. Was wiederum zur Sprech- und Denkweise der Frauen passt.

    Und schliesslich bleibt der Umstand, dass ein Mann diesen Film und diese Figuren inszeniert hat, was zumindest ansatzweise den Verdacht aufkommen lässt, da arbeite sich einer an seiner eigenen Befindlichkeit ab. Was den in New York lebenden Piñeiro noch einen Schritt näher an die Mumblecore-Generation rücken lässt.

    Matías Piñeiro

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kein Kommentar »

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