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    Locarno 12: DER GLANZ DES TAGES von Rainer Frimmel und Tizza Covi

    Von Michael Sennhauser | 6. August 2012 - 18:11

    Der Glanz des Tages 1

    Was unterscheidet den Schauspieler vom Zirkusmann? Wer ist eher in Gefahr, sich in fremden Bildern zu verlieren? Philipp Hochmair ist ein Theaterstar zwischen Burgtheater und dem Hamburger Thalia, ein vielbeschäftigter Schauspieler. Walter Saabel stammt aus Deutschland, hat aber mit Zirkussen und Wandertruppen halb Europa bereist, ist mit Bärenringkämpfen aufgetreten und als Messerwerfer, und er hatte eine zentrale Rolle in La Pivellina, dem ersten eigentlichen Spielfilm von Tizza Covi und Rainer Frimmel.

    Die beiden kommen vom Dokumentarfilm, lassen aber auch gerne die Fiktion auf die Realität los. Und im Fall von Der Glanz des Tages führt das zu einer spannenden Gegenüberstellung von zwei Seiten des Showgeschäftes: Der bürgerliche Schauspieler, auch schon ein Randständiger innerhalb seiner Gesellschaft, trifft auf den fahrenden Artisten, der seine Welt ganz grundsätzlich mit sich führt und selber bestimmt.

    Der Glanz des Tages 5

    Das ist wunderbar aufgezogen. Der Film beginnt damit, dass Hochmair in Hamburg von seiner Wohnung zum Thalia-Tehater geht, zur Hauptprobe einer Wozzeck-Inszenierung. Ein Mann mit (künstlicher, wie sich zeigen wird) Glatze im winterlichen Hamburg trifft auf einen Mann mit Mongolenschnauz vor der Tür, der sich als Onkel Walter aus Italien vorstellt, als Bruder des Vaters des Schauspielers.

    Der Glanz des Tages 3

    Philipp weiss von dem Onkel, er weiss auch, dass sein Vater den Kontakt zu ihm vor langer Zeit abgebrochen hat. Aber er ist fasziniert von dem eben so höflichen wie lebenserfahrenen alten Artisten, lädt ihn zur Probe ein und später in seine Wohnung in Wien.

    Der Glanz des Tages 2

    Der Film ist hochgradig inszeniert, bleibt dabei aber immer dokumentarisch. Das heisst, er zeigt sein Figuren in ihrem jeweiligen Umfeld und führt sie zusammen, mit einer fiktiven Geschichte, die ganz nahe bei der Realität sein dürfte.

    Der Glanz des Tages 4

    So kommt es im Gespräch zwischen den Männern immer wieder zu spannenden Erkenntnissen, beide reflektieren ihre Ansprüche an Freiheit und Selbstbestimmtheit. Bei Walter war der Zirkus Beruf und Überlebenskampf, Philipp erklärt sein manisches jonglieren mit bis zu acht Rollen gleichzeitig als Sucht und Erfüllung. Und beide sind sich einig, dass das Beamtenleben von Philipps Vater ihnen nicht zugesagt hätte.

    Der Glanz des Tages 6

    Schliesslich werfen die Filmemacher noch den moldavischen Nachbarn Victor ins Spiel, der mit seinen zwei kleinen Kindern alleine durch den Alltag muss. Seine Frau ist zur Beerdigung ihrer Mutter nach Hause gefahren und hat als Asylbewerberin in Österreich nun keine Chance mehr zur legalen Wieder-Einreise.

    Dass Walter da eher eine Lösung findet als Philipp, liegt auf der Hand.

    Der Glanz des Tages ist als Film roher und zugleich dokumentarischer als La Pivellina, hat aber gerade darum auch eine grössere Wucht als jene herzberührende Geschichte eines kleinen Mädchens. Aber auf süsse Kinder verzichten Frimmel und Covi auch dieses Mal nicht. Dafür kommt keine einzige Frau vor in dem Film.

    Die aufgeworfenen Lebensfragen und Kontraste sind ziemlich grossartig, sie schlagen den Bogen von der Lebenskultur zur klassischen Hochkultur und sind erfüllt von der gleichen Sehnsucht wie schon die früheren Dokumentarfilme der beiden, einer Sehnsucht, die zwischen Zuhause sein und fahrendem Leben schwebt, zwischen Zirkus und Seefahrt, zwischen Hamburg, Wien und einer offenen Welt für jene, welche Grenzen nicht einfach akzeptieren.

    Topics: Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kommentare deaktiviert für Locarno 12: DER GLANZ DES TAGES von Rainer Frimmel und Tizza Covi

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