MEMORY OF PRINCESS MUMBI von Damien Hauser

Kuve (Ibrahim Joseph), Mumbi (Shandra Apondi) © Dschoint Ventschr

Hier ist ein Film, der einem die Hoffnung zurückgibt. Ein Filmemacher, der einfach macht, mit einem untrüglichen Gespür dafür, wo Figuren, Geschichten, Technik und Imagination zu purem Kinoglück verschmelzen.

Memory of Princess Mumbi ist eine retrofuturistische Liebes­ge­schich­te, erzählt als Mockumentary, angesiedelt im Jahr 2093 in Afrika und in der Schweiz, gedreht mit fröhlichen Freunden, einer hinreissenden Profischauspielerin in der Titelrolle, vor Ort in Kenia, schnell und mit minimalem technischem Aufwand vor ein paar Jahren. Und dann in der Postproduktion, unter Einsatz von KI und Phantasie, über Jahre hinweg zu dem Solitär ausgebaut, mit dem Hauser letztes Jahr ans Filmfestival von Venedig eingeladen wurde, zu den Giornate degli autori – dem italienischen Äquivalent der Quinzaine des cinéastes in Cannes. „MEMORY OF PRINCESS MUMBI von Damien Hauser“ weiterlesen

PROMIS LE CIEL von Erige Sehiri

Jolie (Laetitia Ky), Marie (Aïssa Maïga), Kenza (Estelle Kenza Dogbo), Naney (Debora Lobe Naney) © trigon

Drei Frauen kauern an der Badewanne und waschen ein kleines Mädchen. Die Szene hat etwas von einer Taufe. «Wie heisst Du?» fragt Marie. «Kenza», sagt die Kleine. «Wie alt bist Du?» fragt Naney. «J’ais deux ans», sagt Kenza. «Nein, Du bist nicht zwei Jahre alt, stellt Naney fest. «Wie heisst dein Papa? Wer war sonst mit Dir auf dem Boot?». Keine Antwort. «Gehst Du zur Schule?» fragt schliesslich Jolie. Und auch auf die Frage zuckt die Kleine nur die Schulter.

Dann kommt doch noch etwas: «Das Boot ist umgekippt. Die Erde ist kaputt gegangen. Der Onkel hat die Messer genommen, im Haus. Er hat sie in seine Tasche gesteckt und er hat sie auf die Leute geworfen…» „PROMIS LE CIEL von Erige Sehiri“ weiterlesen

ON BECOMING A GUINEA FOWL von Rungano Nyoni

Susan Chardy als Shula © trigon

Man muss seiner Sache schon sehr sicher sein, um mit den ersten 15 Minuten eines Filmes vor allem Fragen aufzuwerfen.

Warum trägt die Frau mit den perfekt geschminkten Lippen am Steuer ihres Mercedes eine glitzernde Maske auf dem Kopf? Warum wirft sie bloss einen kurzen Blick auf den toten Mann, der auf der nächtlichen Strasse liegt, und ruft dann nicht etwa die Polizei an, sondern ihren Vater? Warum trägt die Frau ein ballonartiges Kostüm, mitten in der Nacht, auf einer kleinen Vorortstrasse in Sambia?

Und warum nennt sie den Toten «Onkel Fred»? „ON BECOMING A GUINEA FOWL von Rungano Nyoni“ weiterlesen

Duisburg 15: ARLETTE – MUT IST EIN MUSKEL von Florian Hoffmann

© PS Film
Instant Selfie Arlette © PS Film

Der Film, der die diesjährige Duisburger Filmwoche eröffnet hat, ist ein Nachkomme des Duisburger 3Sat-Preisträgers von 2011. Und der Filmemacher Florian Hoffmann der Sohn der damaligen Preisträgerin Heidi Specogna.

In Carte Blanche war ein weinendes Mädchen in Zentralafrika zu sehen, das sechs Jahre früher von Rebellen angeschossen worden war. Damals schrieb ich hier: „Duisburg 15: ARLETTE – MUT IST EIN MUSKEL von Florian Hoffmann“ weiterlesen

Ouagadougou Filmfestival

fespaco

Die Website ist bunt und wirr, neben touristischen Attraktionen ist auch Dr. Cheick Modibo Diarra abgebildet, der Chairman von Microsoft Africa (ein Chairman für ganz Afrika?), der der aktuellen Ausgabe des FESPACO als Pate zur Seite steht. Das Festival panafricain du cinéma et de la télévision de Ouagadougou gibt es seit 1969 – und ich war noch nie da. Viele andere waren auch noch nie da. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass Burkina Faso nicht die Mittel hat, Journalisten einzuladen, wie das andere Festivals auf der Welt tun, um mehr Öffentlichkeit zu bekommen. Und es hat damit zu tun, dass kaum eine Redaktion die Mittel aufwirft, um ihre Mitarbeitenden an ein afrikanisches Filmfestival zu schicken. Auf jeden Fall hat die aktuelle Ausgabe des biennal stattfindenden Festivals begonnen. Und die Informationen, die ich auf der multifunktionalen Website des Festivals nicht gefunden habe, liefert Marie Luise Knott heute via Perlentaucher. Die ehemalige Chefredakteurin der deutschen Ausgabe von Le monde diplomatique fasst knapp und präzise zusammen, wie sich das vierzig Jahre alte Festival zur Zeit präsentiert und wo der „afrikanische“ Film heute steht. „Ouagadougou Filmfestival“ weiterlesen