QUIR – A PALERMO LOVE STORY von Nicola Bellucci

Gino Campanella und Massimo Milani © cineworx

«Ich hatte schon eine klare politische Haltung. Das war damals nicht unbedingt normal: Eine Schwuchtel zu sein war das eine. Aber politisiert und links zu sein, war etwas anderes. Die Ehe passte nicht zu meinen Ansichten. Wir hätten darauf verzichten können. Es war alles Teil eines Kampfes, bei dem es um die Freiheit ging. Alle waren überzeugt, dass es eine offizielle Trauung war! Viele Schwule fragten uns: ‘Wie habt ihr es bloss geschafft, zu heiraten?’»

Heiraten, weil sie es eigentlich nicht durften, aus politischen Gründen, das scheint typisch für Massimo Milani und Gino Campanella. Während sie auf der Tonspur von Quir von ihrem politischen Engagement erzählen, das unter anderem zur Gründung von Arcigay führte, Italiens erster grosser Schwulenorganisation, sitzen sie am Tischchen auf der Strasse gegenüber von ihrem kleinen Lederwaren-Atelier in Palermo, dem «Quir», und essen Spaghetti.

Alles kommt beiläufig, abgeklärt, meist fröhlich daher, was uns Nicola Bellucci mit diesem aussergewöhnlichen Dokumentarfilm näher bringt. „QUIR – A PALERMO LOVE STORY von Nicola Bellucci“ weiterlesen

ON SWIFT HORSES von Daniel Minahan

Will Poulter, Daisy Edgar-Jones, Jacob Elordi © Ascot-Elite

Im Schlafzimmer im oberen Stock des hübschen, einsam in den Feldern von Kansas gelegenen kleinen Hauses hat Lee Sex mit Muriel. Im Staub der unbefestigten Strasse nähert sich derweil Julius, in der Matrosen-Uniform eines Navy-Soldaten, per Anhalter.

Das sich für das ahnungsvolle Kinopublikum abzeichnende Drama findet allerdings nicht statt, im Gegenteil. Die Leinwand lädt sich erst mal auf mit einer hoffnungsvoll-fröhlichen Vertrautheit, die mich als Zuschauer fast schon auslacht für meine vorschnellen Befürchtungen. Und doch: Die Rückkehr von Julius wird zum Auslöser für drei sehr unterschiedliche Aufbrüche, für die junge Frau und für die zwei ungleichen Brüder. „ON SWIFT HORSES von Daniel Minahan“ weiterlesen

IM SCHATTEN DER TRÄUME von Martin Witz

Zarah Leander, © Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung

«Ich weiss, es wird einmal ein Wunder geschehen» … den Satz zu lesen, das heisst, die Melodie zu hören. Mit dem unverkennbaren tiefen Timbre von Zarah Leander. Oder vielleicht auch mit der exaltierten Phrasierung von Nina Hagen.

Das Lied sang Zarah Leander im Nazi-Propaganda-Film Die grosse Liebe von 1942, einem der grössten Publikumserfolge aus Goebbels‘ Unterhaltungsmaschinerie. Die Regie hatte Routinier Rolf Hansen. Aber den grossen Hit, das Lied, das hatte ein Duo geschrieben, dessen Namen heute nicht mehr so geläufig sind: „IM SCHATTEN DER TRÄUME von Martin Witz“ weiterlesen

Berlinale 14: DER KREIS von Stefan Haupt

© Ascot Elite
© Ascot Elite

«Ich glaub, ich bin ein Teddybär» – Stefan Haupts Film Der Kreis feierte an der Berlinale Weltpremiere. Es ist am diesjährigen Festival der einzige lange Film, der eine reine Schweizer Produktion ist. Die Dokufiktion erzählt das Leben und Wirken von Ernst Ostertag und Röbi Rapp, zweier Pioniere der schwulen Emanzipationsbewegung in Zürich.

Vierundachzig Jahre alt sind sie beide, Röbi Rapp und Ernst Ostertag, und sie sind mit nach Berlin gekommen, um den Film über sich zu begleiten. Eigentlich wollte Regisseur Stefan Haupt einen reinen Spielfilm drehen – aber weil eine finanziell nötige Kooperation mit dem Ausland nicht zustande gekommen ist, stand das Projekt auf der Kippe.

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