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    Berlinale 14: DER KREIS von Stefan Haupt

    Von Brigitte Häring | 11. Februar 2014 - 11:47

    © Ascot Elite

    © Ascot Elite

    «Ich glaub, ich bin ein Teddybär» – Stefan Haupts Film Der Kreis feierte an der Berlinale Weltpremiere. Es ist am diesjährigen Festival der einzige lange Film, der eine reine Schweizer Produktion ist. Die Dokufiktion erzählt das Leben und Wirken von Ernst Ostertag und Röbi Rapp, zweier Pioniere der schwulen Emanzipationsbewegung in Zürich.

    Vierundachzig Jahre alt sind sie beide, Röbi Rapp und Ernst Ostertag, und sie sind mit nach Berlin gekommen, um den Film über sich zu begleiten. Eigentlich wollte Regisseur Stefan Haupt einen reinen Spielfilm drehen – aber weil eine finanziell nötige Kooperation mit dem Ausland nicht zustande gekommen ist, stand das Projekt auf der Kippe.

    Marianne Sägebrecht © Ascot Elite

    Marianne Sägebrecht © Ascot Elite

    Die Dokufiktion war eine Lösung, den Film doch noch zu drehen. Eine günstigere Lösung – aber vielleicht ist dieser Film dergestalt sogar reicher, als es ein reiner Spielfilm geworden wäre. Stefan Haupt jedenfalls ist im Nachhinein glücklich, dass es so gekommen ist – und als Zuschauer hat man das Gefühl, es wäre schade gewesen, wenn diese Dokumentarteile gefehlt hätten.

    Im Film sind nun Ernst Ostertag und Röbi Rapp drin, sie erzählen, zusammen mit anderen Zeitzeugen, von der homosexuellen Szene in Zürich in den 50er und 60er Jahren. Illustriert und komplettiert wird da Bild dieses bis jetzt eher unbekannten Zürich durch Spielfilmszenen, die die Atmosphäre bei den Bällen im Neumarkttheater oder auch in den Redaktionsräumen der Zeitschrift «Der Kreis» wunderbar wiedergeben. Diese Zeitschrift, titelgebend für den Film, war eine international gelesene Literatur- und Kunstzeitschrift, die homoerotische Texte und Bilder veröffentlichte. «Der Kreis» war ausserdem ein Zirkel für Männer, um sich zu treffen, Theater zu spielen, Feste zu feiern. In der Schweiz war Homosexualiät zwar nicht gesetzlich verboten, in der Gesellschaft aber dennoch geächtet.

    © Ascot Elite

    © Ascot Elite

    Der Film zeichnet ein gutes Bild dieser Zeit, in der Schwule auch immer stärker polizeilicher Willkür ausgesetzt waren. Nach zwei Morden im Schwulenmilieu mussten sich Homosexuelle immer wieder Razzien, polizeiliche Vorladungen und sogar ein Tanzverbot gefallen lassen.

    Der Kreis ist aber und vor allem auch ein Liebesfilm. Er erzählt, wie sich Ernst Ostertag und Röbi Rapp im Kreis als junge Männer kennen lernen. Und wie Ernst Ostertag seinen späteren Freund erst für eine Frau hält, weil der eine derart perfekte Travestiesängerin ist. (Er singt treffend: „Ich bin so seltsam, ich glaub ich bin bin Teddybär.“)

    Er erzählt auch, wie sie im Verborgenen ihre Liebe leben, wie ihre Familien ganz unterschiedlich sind. Während Röbi Rapps Mutter den schwulen Sohn und seinen Freund ganz selbstverständlich aufnimmt (die Familie entstammt dem Theatermilieu), outet sich Ernst Ostertag, der Lehrer aus gutbürgerlicher Familie, erst weit nach der Pensionierung, mit 70.

    Trotz Repressionen und verstecktem Paarleben hat die Liebe der beiden gehalten, über 60 Jahre. Am Ende des Films ist zu sehen, wie Röbi Rapp und Ernst Ostertag das erste schwule Paar sind, dass in Zürich heiratet – oder, wie es korrekt heissen muss, „die Partnerschaft einträgt“.

    Stefan Haupts Film ist zugleich ein wunderbarer Liebesfilm mit zwei sympathischen und charismatischen Protagonisten und ein Stück wichtiger (noch nicht oft erzählter) Zeitgeschichte der Stadt Zürich. Die beiden Protagonisten haben sehr stark mit Stefan Haupt zusammen gearbeitet, haben geholfen, die Bilder zu entwerfen, die nun in den Spielfilmszenen zu sehen sind. Und sie sind sehr zufrieden, dass ihre jahrzehntelange Arbeit für die Schwulenbewegung nun eine grosse Öffentlichkeit bekommen.

    Sie haben schon ein Buch über ihr Leben geschrieben, der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit hat das Vorwort verfasst. Nun ist der Film hier an der Berlinale – und Ernst Ostertag und Röbi Rapp habe mir beide unabhängig voneinander gesagt, wie beglückt sie darüber sind, dass sie eine solche Öffentlichkeit für sich und für die Schwulengeschichte selber noch erleben dürfen.

    Der Filmstart in der deutschen Schweiz ist vorgesehen für den 23. Oktober 2014

    Der Kreis Plakat Berlinale

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Topics: CH Film, Dokumentarfilm, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Filmplakat, Regisseur/in | Kommentare deaktiviert für Berlinale 14: DER KREIS von Stefan Haupt

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