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    Cannes 09: Les herbes folles

    Von Michael Sennhauser | 20. Mai 2009 - 01:23

    Les herbes folles Alain Resnais

    Den neuen Film des 87jährigen Alain Resnais zu beschreiben, ist zwar möglich, aber kaum so, dass man ihm gerecht würde. In Les herbes folles spielt Resnais‘ Lebensgefährtin Sabine Azéma die Zahnärztin Marguerite Muir, ein überspanntes Wesen mit einem ständig unter Strom stehenden Haarschopf wie die Rote Zora. Sie fährt einen kanariengelben Smart Roadster, fliegt Kleinflugzeuge und restauriert mit fünf genialen Mechanikern zusammen eine alte Spitfire. Weil ihr beim Schuhekaufen in Paris ihre Tasche entrissen wird, findet der Frühpensionär George Palet (André Dussolier) ihre Brieftasche und ist fasziniert von den Fotos der Frau auf den Ausweisen. Der Film folgt einem Roman von Christian Gailly und er fühlt sich an wie ein munterer kleiner Fluss, der unaufhaltsam gluckernd seinen Lauf nimmt.

    Es ist ein Schauspielerfilm, wie meist bei Resnais, ein grosses, choreographiertes und sprachlich ausgefeiltes Spiel mit Situationen und Stimmungen, emotionalen Paradoxen und urkomischen Fehlreaktionen. Das Erstaunlichste am ganzen Film ist die Leichtikeit seines Fliessens. Die Kamera ist immer leicht in Bewegung, sei es vom Kran aus oder im Schwenk oder in einem kurzen Travelling. Und die unaufhaltsame Bewegung durch die erzählte Zeit hindurch (unterbrochen durch Flashbacks) wird verstärkt durch den musikalisch eigenwilligsten Score, den ich in den letzten Tagen hier in Cannes wahrgenommen habe. Die Musik von Mark Snow kippt von Movie-Score-Klassik zu Bebop, Cool Jazz, Jazz Rock und Geigendramatik, oft in der Abfolge einiger weniger Takte. So simuliert die Musik die unberechenbare Gefühlslage der beiden Hauptpersonen, von denen man nur eines immer sicher weiss: Sie sind nicht vorhersehbar in ihren Aktionen und Reaktionen. Les herbes folles mag so enigmatisch sein wie frühere Resnais-Filme, aber man spürt es nicht. Der Witz, der muntere Fluss, die Leichtigkeit und die liebevolle Stimmung tragen einen wie im Rausch durch dieses Sturmwind intelligenter Cinémanie. Ein Schaum, ein Wind, ein Fluss, ein Traum.

    Topics: Dokumentarfilm, Film, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | 1 Kommentar »

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