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    DER MEISTER UND MAX von Marcel Derek Ramsay

    Von Michael Sennhauser | 6. März 2016 - 18:42

    Christine Lauterburg und Max Rüdlinger in 'Der Ruf der Sibylla' von 1984

    Christine Lauterburg und Max Rüdlinger in ‚Der Ruf der Sibylla‘ von 1984

    Ein kompletter Spielfilm, montiert aus dem – und erdacht auf der Basis vom – Werk von Clemens Klopfenstein, das ist Der Meister und Max. Erzählt wird von der Existenz von Max (Rüdlinger) und Christine (Lauterburg), zwei der regelmässigen Protagonisten aus dem Oeuvre von Clemens Klopfenstein, die über ihre Rollen (nicht nur bei Klopfenstein) und ihre realen Viten zu Originalen ihrer Selbst geworden sind.

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    Das einzigartige Klopfenstein-Kino hat sich stets aus Konter-Zeitgeist und Gegen-Szene heraus alimentiert, Klopfensteins Figuren waren und sind kollaborative Spiegelbilder ihrer (Selbst-) Darsteller, die Filme unter anderem darum so magisch, weil sie aus dem Alltag heraus zu wachsen schienen. Vom Berner Schauspieler Max Rüdlinger hatte und hat man stets das Gefühl, er spiele sich selber beim sich selber spielen. Und Christine Lauterburg, wie auch Polo Hofer, spielte in Klopfensteins Filmen jeweils eine Projektion ihrer halböffentlichen Persönlichkeit.

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    Insofern wirkt dieser Found-Footage-Kompilations-Film von Marcel Derek Ramsay (Buchmitarbeit Michèle Wannaz) überaus organisch. Das ist der Film, der im Kopf entsteht, wenn man Klopfensteins Gesamtwerk retrospektiert und sich drei Figuren zu Konstanten macht. Klopfenstein selber hat seine Auftritte, er ist der überforderte, geschmähte Autor, dem der manische Max einen neuen Zugriff auf seine Liebe zu Chrige abzutrotzen versucht – vor allem dann, wenn er selber mal wieder alles vermasselt hat.

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    Das Spiel mit der Selbstverantwortung der Figuren und der Hilflosigkeit des Autors ist einer der dialogischen Pfeiler in Klopfensteins Werk und darum sind auch mehr als genug Passagen vorhanden, die sich für neue Arrangements zum alten Thema aufdrängen.

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    Zugleich spielen Ramsay und Wannaz aber auch mit den stofflichen, bildlichen Möglichkeiten der Collage und Montage. Die Kombination von Farbfilm und Schwarzweissfilm innerhalb einer logischen Sequenz erzeugt eine neue, eigene Magie. Szenenwiederholungen bis hin zur angedeuteten Endlosschleife am Schluss des Films nutzen die Stimmung und die thematische Unausweichlichkeit. Und hin und wieder wird auch ganz handfest gekalauert, wenn Ramsay zum Beispiel Max am Pissoir hart auf einen reissenden Wasserfall / Rheinfall schneidet, oder einen Alpenstausee auf Meeresbrandung.

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    Zurück zu den Wurzeln zieht es zur Zeit etliche Protagonisten des Schweizer Films, zu den Wurzeln des Aufbruchs und der spielerischen Realitätsverarbeitung. Marcel Bächtiger und Andreas Müller haben mit der Dokumentation Christian Schocher, Filmemacher ebenfalls auf das Gesamtwerk eines Filmemachers zurückgegriffen, ähnlich verspielt, aber innerhalb der dokumentarischen Gepflogenheiten.

    Und Matthias Günter hat mit Andy Herzog Wintergast gedreht, einen Film, der unwiderstehlich den Geist von Reisender Krieger atmet und lebt und feiert. Und da schliesst sich auch hier wieder der Kreis, schliesslich war Clemens Klopfenstein Schochers Kameramann bei Reisender Krieger und folgerichtig findet sich auch eine schwarzweisse Discoszene aus Schochers Mittelland-Odyssee diskret eingebaut in Der Meister und Max.

    Der Film ist dieser Tage zu sehen im Rex in Bern und im Riffraff in Zürich.

     

    Topics: CH Film, Film, Film und Kunst, Filmbesprechung, Filmgeschichte, Leute, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kein Kommentar »

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