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    Locarno 16: LA IDEA DE UN LAGO von Milagros Mumenthaler (Wettbewerb)

    Von Michael Sennhauser | 9. August 2016 - 14:00

    Carla Crespo © Look now!

    Carla Crespo © Look now!

    Als sie hier in Locarno 2011 mit ihrem Erstling Abrir puertas y ventanas den goldenen Leoparden gewann, hatte Milagros Mumenthaler ihr kürzlich geborenes Kind dabei. Im Jahr darauf war noch ihr Kurzfilm Menuet zu sehen, entstanden im Rahmen der Westschweizer Reihe «La faute à Rousseau».

    Pardobalken2016

    Nun ist Mumenthaler mit ihrem zweiten Langspielfilm wieder im Wettbewerb von Locarno. Wer ihren Erstling mochte, wie ich, war gespannt. Wer ihn für seine scheinbare Leichtigkeit hasste, wie viele andere, hat auf Bestätigung gewartet. Ein bisschen enttäuscht wurden wir alle.

    Carla Crespo als Ines © Look now!

    Carla Crespo als Ines © Look now!

    La idea de un lago bewege sich auf zwei Achsen, sagt Milagros Mumenthaler in den Unterlagen zum Film. Auf der einen gehe es um die dokumentarische Arbeit, auf der anderen um Erinnerungen.

    Gemeint sind Arbeit und Erinnerung der hochschwangeren Inès in Buenos Aires. Sie will unbedingt vor der Geburt ihres Kindes ihren Fotoband fertigstellen, eine grossformatige Arbeit, die sich dem Ferienhaus der Familie widmet, den Kindheitserinnerungen und den Erinnerungen an den während der Militärdiktatur verschwundenen Vater.

    Malena Moirón © Look now!

    Malena Moirón © Look now!

    Gleichzeitig will Inès endlich Klarheit über den Verbleib des Vaters und meldet darum sich, ihre Mutter und ihren Bruder bei der Nachforschestelle für Opfer der Diktatur für die Entnahme eines Bluttests an. Sollte der Vater unter den neu gefundenen Opfern sein, könnte sie ihrem Kind wenigstens gesichert Auskunft geben, sollte es dereinst nachfragen.

     © Look now!

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    Für Inès‘ Mutter ist das allerdings ein Alptraum. Sie hat die Hoffnung nie aufgegeben, ihren Mann einmal wieder zu sehen. Noch am Tag der Blutentnahme sieht sie beim Blick durchs Fenster einen Mann, der seinen Hut und seiner Kleider trägt.

    Die erwachsene Inès fährt mit dem Auto der Mutter zurück an den See, zum Haus. Sie trifft sich dort mit ihrem Bruder, sie rudert zur Insel hinüber, wo das letzte und einzige Foto entstanden ist, das sie als kleines Mädchen zusammen mit ihrem Vater zeigt.

     © Look now!

    © Look now!

    Eingeschoben sind traumartige Erinnerungen an Versteckspiele der Kinder im Wald und surreal-traumartige Sequenzen wie jene, in der die kleine Inès mit dem Familienauto, einem grasgrünen Renault R4 im See um die Wette schwimmt und planscht, alles zum Neil-Diamond-Klassiker «Song Sung Blue».

    Carla Crespo © Look now!

    Carla Crespo © Look now!

    Das ist alles kunstvoll und fliessend verschachtelt und verwebt, Inès rührt als Figur und geht einem auch auf die Nerven. Das Motiv des von der Diktatur geraubten Vaters wie auch der Fotoarbeit dazu gehe übrigens zurück auf einen Fotoband von Guadalupe Gaona, «Pozo de aire», erklärt Milagros Mumenthaler.

    Vielleicht liegt es an dieser Mischung von fremden und eigenen Motiven, an den Parallelen und den Abweichungen, dass Mumenthalers zweiter Film bei aller Kunstfertigkeit nicht mehr so unmittelbar wirkt wie Abrir puertas y ventanas. Mit ihrem Erstling war sie mitten drin im Leben ihrer Protagonistinnen und führte es an einen Punkt des endgültigen Wandels, an einen Neubeginn.

     © Look now!

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    La idea de un lago dagegen bewegt sich in alle Richtungen, sucht, zeigt, kombiniert und bekommt die Vorstellung doch nur punktuell zu fassen. Und weil die Suche von Inès zwar vieles zutage fördert und durchaus auch die Erinnerungen des Publikums zum leben bringt, aber dabei nicht zu einem unverrückbaren Punkt gelangt, wirkt der ganze Film wie eine Suche.

    Malena Moirón © Look now!

    Malena Moirón © Look now!

    Das Bild allerdings, mit dem Mumenthaler genau diese Offenheit auf den Punkt bringt, bleibt in Erinnerung: Die Kinder haben sich im nächtlichen Wald versteckt, mit Taschenlampen, die sie als Hinweis an die Suchenden jeweils kurz aufblitzen lassen. Inès will unbedingt gewinnen, also nicht gefunden werden, und knipst die Lampe zur Empörung ihres kleinen Bruders gar nicht erst an. Bis sie vom Waldrand her immer mehr Lichter auf sich zukommen sieht.

    Milagros Mumenthaler © Look now!

    Milagros Mumenthaler © Look now!

    Topics: CH Film, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in | Kein Kommentar »

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