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    SFT 17: USGRÄCHNET GÄHWILERS
    von Martin Guggisberg

    Von Michael Sennhauser | 21. Januar 2017 - 20:30

    Philippe Nauer, Ruth Schwegler in ‚Usgrächnet Gähwilers‘ © filmcoopi

    Die Gähwilers kennen wir. Nettes Haus, SUV, FDP, und nun, als Krönung, die lokalpolitische Karriere für Ralph. Da darf natürlich nichts passieren vor den Wahlen. Saublöd, wenn der schwarz gärtnernde, untergetauchte Flüchtling Ngundu aus dem Sudan ausgerechnet bei den Gähwilers von der Leiter stürzt und sich mit der Motorsäge ins Bein schneidet.

    Ralph will nicht, dass der Mann gesehen wird, schon gar nicht von den Nachbarn. Ngundu will unter keinen Umständen zum Arzt. Also wird er im Keller versteckt und der befreundete Veterinär gerufen.

    Daniel Rothenbühler, Philippe Nauer, Ruth Schwegler, David Wurawa in ‚Usgrächnet Gähwilers‘ © filmcoopi

    Es hat lange gedauert, aber plötzlich sind sie überall, die Komödien über die Angst vor den Flüchtlingen. Welcome to Norway, aus, nun ja, Norwegen. Willkommen bei den Hartmanns aus Deutschland, und nun eben die Gähwilers bei uns. Und vor zwei Jahren schon hatten wir die Schweizer Helden von Peter Luisi.

    Nun mag die Angst vor den Flüchtlingen in unseren Ländern manchmal komische Züge annehmen; die Situation der Menschen hat aber selten komisches Potential. Dass man es trotzdem immer wieder mit Komödien und Satiren versucht, hat wohl vor allem didaktische Hintergründe. Zudem sorgen Dokumentarfilm und Medien dafür, dass das eigentliche Drama nicht vergessen geht.

    Wenn nun Regisseur und Drehbuchautor Martin Guggisberg auf Satire setzt und die Mechanismen der Versteck-Komödie bemüht, dann steckt darin tatsächlich einiges an Potential. Dieses entfaltet sich denn auch in den Begegnungen der Hausfrau und angehenden Galeristin Therese Gähwiler mit Ngundu Tombura.

    David Wurawa als Ngundu Tombura © filmcoopi

    Der Mann aus dem Sudan, den sie auf der verzweifelten Suche nach einem freien Gärtner am anderen Ende des Dorfes (und des politischen Spektrums) beobachtet, hat seinen Stolz und seine Fähigkeiten. Ruth Schwegler als Therese Gähwiler und David Wurawa als Ngundu Tombura schaffen in ihren gemeinsamen Szenen perfekt die Spannung zwischen Neugier und Naivität, rassistischen Vorurteilen und argumentativer Resignation. Sie staunt über sein praktisches und theoretisches Wissen, ohne zu merken, wie dieses Staunen über seine Bildung ihn beleidigt. Sie schenkt ihm die ausgetragenen Hemden ihres Mannes, er will sie nicht annehmen. Dafür handeln die beiden um den Stundenlohn für seine Schwarzarbeit bis zur gegenseitigen Zufriedenheit.

    Ruth Schwegler und David Wurawa in ‚Usgrächnet Gähwilers‘ © filmcoopi

    In diesen Szenen scheinen Reibungsflächen und Problemzonen auf, hier ist das satirische Potential der Konstellation offensichtlich und entfaltet sich. Schwieriger gestalten sich die Auftritte von Ralph Gähwiler. Philippe Nauer spielt den Lokalpolitiker und dessen Motto «kompentent, entschieden, klar» mit Gusto und karikierender Schärfe, eben so, wie Matthias Hungerbühler und Sonja Riesen das Nachbarehepaar Suter geben.

    Das sitzt durchaus. Aber es lässt keinen Raum für Veränderung bei den Figuren. Damit entfällt ihr dramatisches wie auch ihr menschliches Potential. Das Drehbuch versucht dies zwar aufzufangen, insbesondere im Bemühen, keine Seite zu bevorzugen. Das Verständnis für die senkrechten Dörfler ist vorhanden und im Gegenzug beweisen der Flüchtling und sein später auftauchender Freund nicht nur Grossmut, Stolz und Ehre.

    Das alles aber sorgt in der Summe dafür, dass der Film nicht wirklich vom Fleck kommt. Das scheint über den grossen Plot-Bogen hinweg auch so intendiert zu sein, finden sich doch zumindest die Gähwilers am Ende wieder in der gleichen Verfassung und Lebenslage wie zuvor.

    Aber am Ende bleibt vor allem das Gefühl, einem satirischen Leerlauf mit kleinen Unmenschlichkeiten beigewohnt zu haben, einem Fiebertraum mit luziden Momenten, aber ohne zwingende Entwicklung.

    Irgendwo in dieser Anlage steckt das Zeug zu einem guten Film. Aber die Momente blitzen wirklich nur auf, wenn Frau Gähwiler und Herr Tombura sich vorsichtig gegenseitig abschätzen. Mehr von dieser Dynamik und weniger von der teilweise sehr absehbaren Klischeemechanik wie gegenseitige nächtliche Fernglasbeobachtung mit einseitigem Blowjob, oder logischen Undingern wie dem unverständlichen Aussetzen zweier Betäubter in Schränken (wozu die Schränke?) und der Film hätte vielleicht nicht gerade Flügel, aber doch wenigstens Füsse bekommen.

    Nächste Aufführung Solothurner Filmtage: Dienstag, 24. Januar
    Kinostart Deutschschweiz: 26. Januar 2017

    Topics: Autor / Drehbuchautorin, CH Film, Film, Filmbesprechung, Filmfestival, Regisseur/in, Schauspieler/in | Kein Kommentar »

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