EUREKA von Lisandro Alonso

Murphy (Viggo Mortensen) © Sister Distribution

Wenn Sie sich schon immer einmal einen schamanischen Western gewünscht haben, dann hat der Argentinier Lisandro Alonso jetzt Ihren Wunsch erfüllt. Und falls nicht, dann wird Ihnen spätestens im Kino mit Eureka klar, dass Ihnen dieser Wunsch bisher bloss nicht bewusst war.

Eureka kitzelt zuerst unsere Western-Erinnerungen mit einem schwarzweissen Segment im klassischen 4:3 Akademieformat, das etliche der archetypischen Klischees einer Art Rebirthing unterzieht.

Viggo Mortensen kommt in die physisch und moralisch versaute Frontier-Stadt, in der sich alle betrinken und viele prostituieren, insbesondere die Native Americans, unter dem wachsamen Auge von Maya El Coronel (Chiara Mastroianni). Er schiesst sich den Weg frei zu Randall (Rafi Pitts), um seine Tochter aus dessen Fängen zu befreien. Bloss um – zu spät – festzustellen, dass diese das Leben mit Randall aus freien Stücken gewählt hat. „EUREKA von Lisandro Alonso“ weiterlesen

EDDINGTON von Ari Aster

Joaquin Phoenix and Pedro Pascal in ‚Eddington‘ © Ascot-Elite

Wahrscheinlich muss ein ehrlicher Film über den gesellschaftlichen Zustand der USA dermassen unangenehm sein wie Eddington. Der zunehmend gehässige Wahlkampf des Kleinstadtsheriffs Joe Cross (Joaquin Phoenix) um den Job als Bürgermeister gegen den Amtsinhaber Mayor Ted Garcia (Pedro Pascal) ist nicht nur ein Echo von Trump vs. Biden, der ganze Wahnsinn spielt auch noch in den Corona-Zeiten – mit allen kulturkämpferischen Implikationen.

Sheriff Joe, der eigentlich die offiziellen Regeln durchsetzen müsste, ist nicht nur ein vehementer Maskengegner, er hat auch Probleme mit seiner mental angeschlagenen Frau Louise Cross (Emma Stone), die er um alles liebt, und deren Mutter Dawn (Deirdre O’Connell), welche mit sektiererischer Vehemenz in alle verschwörungstheoretischen Wurmlöcher abtaucht. „EDDINGTON von Ari Aster“ weiterlesen

BLACK DOG (Gou zhen) von Guan Hu

Lang Yonghui (Eddie Peng) mit dem Titelhund © trigon-film

Was für ein Spektakel! Die Eröffnungsszene von Guan Hus modernem China-Western versetzt einen innert Sekunden in diese magische Kinoverzückung, die so rar ist, und so wunderbar. Wir sehen von einem Höhenzug aus eine felswüstensandige Landschaft. Im mittleren Vordergrund rollen Tumbleweeds durchs Bild, auf der staubigen Strasse unter dem Horizont nähert sich vom linken Bildrand her ein kleiner Autobus mit einer grossen Staubfahne.

Plötzlich kommt von rechts im Vordergrund Bewegung ins Bild. Ein Koyote? Wölfe? Nein, Hunde. Hunderte von Hunden, eine Hundehorde rast die Hügelflanke hinab, auf die Strasse zu, ergiesst sich wie ein bellender Bach darüber. Der Bus, jetzt in der Mitte des Bildes, bremst, schlingert und kippt schliesslich in einer weiteren Staubwolke auf die Seite.

Die Hundehorde verschwindet am Horizont. „BLACK DOG (Gou zhen) von Guan Hu“ weiterlesen

UN OURS DANS LE JURA von Franck Dubosc

Franck Dubosc, Benoît Poelvoorde, Joséphine de Meaux © JMH

«Drei Leichen sind da drin. Einer hat Schnittwunden im Gesicht, die anderen sind mit Honig überzogen. Einer wurde aufgespiesst. Sein Bauch durchbohrt. Abdomen geplatzt!» „UN OURS DANS LE JURA von Franck Dubosc“ weiterlesen

Berlinale 18: DAMSEL von David und Nathan Zellner (Wettbewerb)

Mia Wasikowska, Robert Pattinson in ‚Damsel‘ © Strophic Productions Limited

Was tut man nicht alles, um Stars wie Robert Pattinson oder Mia Wasikowska nach Berlin zu locken. Die Programmierung dieses Films im Wettbewerb der 68. Berlinale ist nun allerdings dermassen durchsichtig, dass man schon fast wieder von Chuzpe reden kann.

Fast fünfzig Jahre nachdem Filme wie Il mio nome e nessuno und die dritte Welle der Euro-Western das US-Pioniergenre vom Alk auf den Ulk gebracht haben, kommen die Zellner Bros. und parodieren nach. Rechtschaffen im Anspruch, prächtig im Setting, gut ausgestattet mit Verkaufswerten wie Pattinson und Wasikowska. Aber Abgründe entfernt von den Coens oder auch nur schon Tarantino, dem sie zumindest bei den Dialogen nachzueifern scheinen. „Berlinale 18: DAMSEL von David und Nathan Zellner (Wettbewerb)“ weiterlesen

Duisburg 15: PISTOLEROS von Karin Becker, Silvia Wolkan & Aline László

Ionutz_Rondo

«Western Leone» heisst die Geisterstadt in Spanien. Und bevölkert ist sie von ein paar wenigen Menschen, Pferden und Hunden. Und dem Geist der grossen Vergangenheit. Denn hier, in Spanien, wurde einst nicht nur Sergio Leones C’era una volta il West gedreht, sondern hunderte von Italowestern.

Einst war das brettergenagelte Kulissenstädtchen eine lukrative Location, später immerhin noch eine Touristenattraktion mit Saloon, Show-Duellen und Pferdeausflügen. Aber die Zeiten sind vorbei.

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