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    Nifff 10: ONDINE von Neil Jordan

    Von Michael Sennhauser | 4. Juli 2010 - 22:22

    Alicja Bachleda und Colin Farrell in 'Ondine' ©Ascot-Elite

    Alicja Bachleda und Colin Farrell in 'Ondine' ©Ascot-Elite

    Ein wirklich schöner Auftakt für das diesjährige NIFFF! Nach The Brave One, seinem seltsamen Ausflug mit Jodie Foster in die Grabbelkiste der Selbstjustizthriller , ist Neil Jordan zurückgekehrt zu seinen Wurzeln, jenen irischen Geschichten, die den Alltag mit märchenhaften Zügen durchwachsen. Dass Colin Farrell den gestrauchelten Fischer Syracuse spielt, jenen Mann, den alle „Circus“ nennen, weil er sich jahrelang als Alkoholiker unmöglich gemacht hat, dürfte dem Film das internationale Interesse bescheren, das er sonst kaum fände. Denn eigentlich ist das eine kleine Geschichte, die einem irischen Nachwuchsregisseur wohl angestanden wäre, gleichsam ein Erholungsfilm für den ansonsten eher furchtlosen Experimentierer Jordan. Ondine bezieht sich natürlich ganz direkt auf die Geschichte von Undine, die Geschichte der kleinen Meerjungfrau (und es ist natürlich nicht die Disney-Version bei Jordan). Nur ist die junge Frau, die Syracuse in den ersten Szenen des Films in seinem Fischnetz findet, eher eine Selkie, eine Seehundfrau. Zumindest vermutet das Syracuses Tochter Annie, als ihr der Vater von seinem Fund erzählt.

    Alicja Bachleda und Colin Farrell in Ondine copy Ascot Elite

    Alicja Bachleda und Colin Farrell in 'Ondine' ©Ascot-Elite

    Jordan verwebt geschickt Sagen und Melodram, und die Liebesgeschichte zwischen dem unglücklichen Fischer und der geheimnisvollen Schönheit aus dem Wasser wird nach allen Regeln der Drehbuchkunst ausgeschmückt. Töchterchen Annie sitzt im Rollstuhl und muss wegen eines Nierenleidens regelmässig zur Dialyse, ihre Mutter ist Alkoholokerin geblieben, während Syracuse sich selber entwöhnt hat (und in Ermangelung einer lokalen Gruppe der anonymen Alkoholiker den Dorfpfarrer beim Beichten zur AA-Gruppe umfunktioniert). Nacherzählt riecht die Storyline von Ondine nach Hollywood und Script-Doctoring, da ist alles drin von ‚motivation‘ über ’story arc‘ bis zu ‚comic relief‘. Aber Jordan bekommt das hin, gibt dem glatten Drehbuch den rauhen Touch, den es braucht, nicht zuletzt mit Hilfe des Bilder-Magiers Christopher Doyle an der Kamera. Stephen Rea gibt den gutmütig-melancholischen Pfarrer. Dass Colin Farrell, der sonst so schön switchen kann zwischen Dackelblick und Bad-Boy-Attitude, in diesem Film fast durchgehend beim Dackelblick bleibt, könnte natürlich auch damit zusammenhängen, dass Ondine-Darstellerin Alicja Bachleda schon bald nach den Dreharbeiten die Mutter seines Sohnes wurde.

    Ondine ist ein schöner kleiner Film, rührend und märchenhaft und perfekt für eine Festivaleröffnung. Aber er ist auch gerade so weit ‚overproduced‘, über-schrieben, dass mir der Sinn jetzt erst recht nach ein paar satten Zombies und tapferen Mutanten steht. Und damit ist das NIFFF 2010 eröffnet.

    Ondine ist in der Schweiz im Verleihprogramm von Ascot-Elite und hat gegenwärtig keinen Starttermin.

    Topics: Film, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Nifff 10: ONDINE von Neil Jordan

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