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    Locarno 13: REAL von Kiyoshi Kurosawa

    Von Michael Sennhauser | 14. August 2013 - 23:25

    Atsumi (Haruka Ayase) beim Sensing

    Atsumi (Haruka Ayase) beim Sensing

    Kiyoshi Kurosawa (der mit Akira nicht verwandt ist), hat eine eindrückliche Filmografie aufzuweisen. Und seine oft den Grenzbereich zwischen fantastischem Kino und Horror streifenden Filme waren immer wieder unterschiedlich eindrücklich. Bei seinem jüngsten, jetzt im Wettbewerb von Locarno laufenden Effort konnte ich mir die Enttäuschung allerdings nicht verkneifen.

    Der Originaltitel ist ausführlicher als das internationale Real: Riaru: Kanzen naru kubinagaryû no hi. Und die Geschichte, die der Film erzählt, ist durchaus phantastisch. Koichi nimmt mit seiner im Koma liegenden Freundin mittels einer hochmodernen klinischen Technik – Sensing genannt – Kontakt auf. Koichi und Atsumi treffen sich in einer virtuellen Version ihrer eigenen Wohnung und versuchen herauszufinden, warum sich die Manga-Zeichnerin umbringen wollte.

    Atsumi und Koichi (Takeru Satô)

    Atsumi und Koichi (Takeru Satô)

    Im interntionalen Wettbewerb des NIFFF war letztes Jahr Vanishing Waves von Kristina Buožyte zu sehen, ein ungleich inoovativerer, optisch überwältigend einfallsreicher Film mit der gleichen Prämisse: Virtueller Kontakt über den klinischen Kurzschluss des Bewusstseins zweier Menschen. Dort führt das zu einer intensiven, schliesslich gefährlichen erotischen Obsession des Probanden mit der schönen Frau im Koma.

    Bei Kurosawa sind die Dinge einfacher gestrickt: Zwar tauchen in der virtuellen Realität Elemente aus den Mörder-Mangas von Atsumi auf, welche Koichi bald auch in seiner Realität erschrecken. Und es gibt schattenhafte Schemen mit goldenen Gesichtszügen, welche realen Menschen gleichen, aber als „philosophical Zombies“ bezeichnet werden: Harmlose Platzhalter für Menschen aus der Realität.

    Die Geschichte nimmt mindestens zwei überraschende Wendungen, die aber leider so überraschend dann auch wieder nicht sind. Schliesslich kennt man die Mechanismen und das Spiel mit virtuellen Identitäten mittlwerweile gut genug. Das ist aber harmlos im Vergleich zur ziemlich lahmen Inszenierung und nicht sehr einfallsreichen Gestaltung des Films.

    Koichi und seine Mutter (Kyôko Koizumi)

    Koichi und seine Mutter (Kyôko Koizumi)

    Real von Kiyoshi Kurosawa ist wahrscheinlich in der Nacherzählung spannender als im Kino. Und im Kopf des Zuhörers entstehen dabei ziemlich sicher spektakulärere Szenen, als sie der Film zu bieten hat. Für Manga-Fans und Freundinnen japanischer Popkultur dürfte der Film aber trotzdem genügend Reize bieten.

    Kiyoshi Kurosawa

    Koichi und seine Mutter (Kyôko Koizumi)

    Topics: Filmbesprechung, Filmfestival | Kommentare deaktiviert für Locarno 13: REAL von Kiyoshi Kurosawa

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