THE APPRENTICE von Ali Abbasi

Roy Cohn (Jeremy Strong) und Donald Trump (Sebastian Stan) © DCM

Dieser Film ist so unterhaltsam wie Donald Trump.
Das ist ein Kompliment. Für den Film.

Darüber hinaus leistet er aber zum Glück noch etwas mehr: Er führt uns unsere eigenen Position gegenüber der trumpschen Faszination vor Augen, manipuliert unsere Empathie und schlägt dann doch noch zu.

Oder, anders ausgedrückt: Ali Abbasi gibt uns zunächst einen sehr jungen, sehr unsicheren Donald Trump, mit dessen Situation wir widerwillig ein wenig sympathisieren.

Gerade so weit, dass in mir der Gedanke aufkam, dass ich mich wohl demnächst dagegen würde verwahren müssen.

Young Trump (Sebastian Stan) © DCM

Aber keine Angst: Abbasi liefert den dazu benötigen umgekehrten Exorzismus und malt den Teufel genüsslich an die Wand.

Wie wurde Donald Trump zu Donald Trump? Wenn es nach Ali Abbasi und seinem Drehbuchautor Gabriel Sherman geht, dann sind zwei Männer daran schuld. Donalds Vater Fred, der Baulöwe, und Roy Cohn, Anwalt und Strippenzieher.

Eigentlich erfahren wir kaum etwas über Trumps Biografie in diesem Film, das nicht in den letzten Jahren schon spekulativ oder gesichert zusammengetragen worden wäre. Einzelne Episoden sind gar definitiv anekdotisch, in anderen Zusammenhängen überliefert und hier eingebaut, weil sie bestens passen.

Das hat natürlich genau so viel mit Trumps Eigenlegende zu tun, wie mit der unglaublichen medialen Aufmerksamkeit, die er sich erbulldozert hat.

Trumps drei Grundregeln aus «The Art of the Deal», so vermittelt der Film, waren die Basislektion, die ihm Roy Cohn eingehämmert hat.

    1. Immer in die Offensive gehen: Attack, attack, attack
    2. Es gibt keine Wahrheit: deny, deny, deny
    3. Akzeptiere keine Niederlage, verkaufe sie grundsätzlich als Sieg

Nun passt das alles zu allem, was unzählige Analysen und Zeugen schon zusammengetragen haben. Der Film unterfüttert die Entwicklung des unsicheren jungen Mannes zum gespeedeten Meganarzissten episodisch, im Stil eines klassischen TV-Movies.

Was The Apprentice allerdings vermissen lässt, sind weitgehend die Zwischentöne. Er präsentiert Trump als Kippbild, im vortrumpschen Stadium und im volltrumpschen Ornat. Dabei gäben diese Bewegungen mehr her, wenn die zentrale Figur etwas mehr Introspektion zeigen würde.

Andererseits setzt Ali Abbasi mit diesem Film sein filmisches Culture-Hopping fort von Gräns über den Holy Spider in die USA, bestens getimed auf die Präsidentschaftwahlen im Herbst. Dieser Filmemacher hat einen offensichtlichen Expansionsdrang.

Oder er beherrscht einfach «The Art of the Deal» im globalen Filmbusiness.

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