VOLVERÉIS von Jonás Trueba

Vito Sanz und Itsaso Arana in ‚Volveréis‘ © Sister Distribution

Nach vierzehn gemeinsamen Jahren sind Ale (Itsaso Arana) und Álex (Vito Sanz) entschlossen, sich freundschaftlich zu trennen und das mit einer grossen Fete mit all ihren Freunden zu feiern. Die Idee dafür geht auf einen Spruch von Ales Vater zurück, der einmal verkündet haben soll, Paare sollten ihre Trennung feiern, nicht ihre Vereinigung. Die witzige, aber in der Praxis absurde Aussage wird als durchgehend wiederholte Erklärung nicht nur zum Running Gag des Films, sondern auch zum einzigen deklarierten Grund für die geplante Trennung.

Eigentlich müsste man aus der Idee einen Film machen, sagt Ale, die Filmemacherin. Und ihr Mann, der Schauspieler, pflichtet bei: « lo que me gusta es que parece una comedia » (Mir gefällt daran, dass das wirkt wie eine Komödie). Und schon sind wir mitten in einem wunderbar cinéphilen Meta-Drama. 

Itsaso Arana und Vito Sanz in ‚Volveréis‘ © Sister Distribution

Da streiten Ale und Ãlex in der Küche darüber, ob Blake Edwards’ Skin Deep (1989) oder 10 mit der berühmten Bolero-Szene einfach den männlichen Blick bedienen oder sich tatsächlich kritisch mit den Geschlechterverhältnissen auseinandersetzen.

Einer von Ales Schauspielerfreunden fühlt sich an Szenen einer Ehe und die turbulente Beziehung von Bergman und Liv Ullmann erinnert und packt dann auch gleich ein veritables Bergman-Tarot aus, um zu sehen, wohin die Trennungs-Idee des Paares schliesslich steuern könnte.

Ales Vater schliesslich, der Mann, von dem die Idee gekommen sein soll, der wird vom tatsächlichen Vater des Regisseurs, dem renommierten FIlmemacher und Produzenten Fernando Trueba gespielt. Und der ist zwar zunächst ein wenig befremdet, dass man ihn quasi beim Wort nehmen will, stellt dann aber spontan Haus und Garten für das Fest zur Verfügung. 

Itsaso Arana in ‚Volveréis‘ © Sister Distribution

Ausserdem deckt er seine Tochter auch gleich noch mit passender Kierkegaard-Lektüre ein und vor allem mit den filmphilosophischen Büchern von Stanley Cavell, insbesondere natürlich «Pursuits of Happiness: The Hollywood Comedy of Remarriage». 

Das alles lässt Trueba, der das Drehbuch zusammen mit seinen Hauptdarstellern entwickelt hat, episodisch von Begegnung zu Begegnung mäandern, wie in einem Woody-Allen-Film. Ale wie Álex erklären die Pläne ihren jeweiligen oder gemeinsamen Freundinnen und Freunden. Die einen reagieren entsetzt, andere erfreut, oder gar pragmatisch-vorsichtig wie Álex’ Schauspieler-Agent, der vor allem wissen möchte, ob sein Klient denn nach der Trennung trotzdem weiterhin in den Filmen seiner zukünftigen Ex-Frau spielen werde.

Der Film zeigt aber auch immer wieder Ale mit ihrem Cutter im Atelier, beim Schnitt ihres jüngsten Films, selbstkritisch, zweifelnd, hadernd. Und diese Einstellungen, die da auf dem Monitor zu sehen sind, die gleichen verblüffend jenen, die wir eben als Zuschauer auf der Leinwand gesehen haben.

Schliesslich schleichen sich in den Film, den wir gerade sehen, unmotivierte Sprünge und Schnittfehler ein, bis sich die Erkenntnis durchsetzt, dass sich dieser Film tatsächlich gerade bei seiner eigenen Entstehung beobachtet.

Was wiederum auf die Beziehung der Hauptfiguren durchschlägt, denn nichts ist so verbindend, wie ein gemeinsames Projekt.

Itsaso Arana und Vito Sanz in ‚Volveréis‘ © Sister Distribution

Das «Volveréis!» des Titels – im Sinne von: ihr kommt wieder zusammen –, ist nicht nur die Prophezeiung der meisten Freundinnen und Freunde des Paares, es ist im metaphorischen Sinne auch die Erfüllung der Prämisse von Cavells zitiertem Buch. Denn die «Comedy of Remarriage» ist das Prinzip, mit dem die klassischen Hollywood-Screwball-Komödien der 1930er und 1940er Jahre den Hays-Code unterliefen: Indem die zentralen Paare als geschiedene oder getrennte Eheleute präsentiert wurden, konnten amouröse und sexuelle Handlungsstränge verfolgt werden, die vom Code für aussereheliche Situationen verboten blieben.

Volveréis ist in der Umsetzung charmant, in der Konzeption raffiniert und, dank seinen vielen cinephilen Nebensträngen sowie dem Charisma der Darsteller (und ihrem Spanisch) trotz seines endlos repetierten deklaratorisch-singulären «Running Gags», erfreulich unterhaltsam.

Im Kino ab 14. August 2025
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